Was hat dich zu diesem Buch inspiriert?
Ich hab gemerkt, dass die meisten Gartenratgeber nach Kalendermonat funktionieren. Januar: das und das. März: jetzt säen. Aber der Garten schaut nicht auf den Kalender. Er schaut, wann der Schlehdorn blüht, wann die erste Hummel fliegt, wann der Boden wirklich bereit ist. Die Slow Gardening Revolution orientiert sich an den phänologischen Jahreszeiten, also an dem, was im Garten selbst passiert. Das ist für mich der ehrlichere Rhythmus.
Was ist die wichtigste Botschaft für deine Leser:innen?
Ein Garten, der funktioniert, braucht keine Dauerpflege. Er braucht Kreisläufe. Das Laub bleibt, der Grasschnitt wird Mulch. Das Totholz wird zur Benjeshecke und damit zum Lebensraum. Wenn man aufhört, alles wegzuräumen, fängt der Garten an, sich selbst zu tragen. Das klingt radikal, ist es aber nicht. Es ist das, was Natur von Anfang an macht. Wir haben es uns nur abgewöhnt.
Ein besonderer Tipp aus deinem Buch, den du hier gerne teilen willst?
Beobachte, bevor du eingreifst. Das ist der Kern des phänologischen Gärtnerns. Nicht: es ist April, also jetzt schneide ich. Sondern: Was zeigt mir der Garten gerade? Welche Pflanze treibt aus, welches Insekt ist unterwegs, was braucht jetzt wirklich meine Aufmerksamkeit und was nicht? Wer das einmal wirklich übt, greift automatisch weniger ein. Und der Garten dankt es.
Was wird im Garten oft unterschätzt oder falsch gemacht?
Dass Aufräumen Pflege ist. Grasschnitt wird weggeworfen, Laub landet im Müll, Totholz kommt raus. Dabei ist das alles Material, das der Garten selbst produziert hat und wieder braucht. Grasschnitt als Mulch hält Feuchtigkeit, unterdrückt Beikräuter, füttert den Boden. Totholz als Benjeshecke gibt Igeln, Vögeln und Insekten Lebensraum. Die Slow Gardening Revolution zeigt, wie man aus diesen Kreisläufen ein System macht ohne Mehraufwand, eher mit weniger.
Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich persönlich?
Dass nichts aus meinem Garten rausgeht, was nicht muss. Kein Material, das anderswo entsorgt wird, wenn es hier gebraucht wird. Kein Eingriff, wenn der natürliche Kreislauf das selbst regelt. Für mich ist Nachhaltigkeit im Garten kein Konzept, es ist eine Haltung, die man einmal annimmt und dann täglich ein bisschen weiterdenkt. Das Buch gibt dafür einen Rahmen, der sich an dem orientiert, was draußen wirklich passiert: die phänologischen Jahreszeiten, die Nützlinge, die Kreisläufe.
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